Tontechnik

Wie viel Tontechnik braucht eine Tagung, DIN 15905-5 in deutschen Konferenzzentren

Tontechnik für Tagungen sichert Sprachverständlichkeit: Was DIN 15905-5 fordert, welche Pegel gelten und wie deutsche Konferenzzentren ausgestattet sind.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Tontechnik für Tagungen wird nach DIN 15905-5 geplant, nicht nach Geschmack.
  • Entscheidend sind Sprachverständlichkeit, Schallpegel und Nachhallzeit, nicht Maximallautstärke.
  • Konferenzzentren in Deutschland stellen Basisinfrastruktur, die Mikrofonierung bleibt oft Aufgabe des Veranstalters.
  • Elektrische Anlagen fallen unter DGUV Vorschrift 3, der Arbeitgeber haftet für den sicheren Betrieb.
  • Eine Abnahme vor Ort mit Messung verhindert die meisten Störungen am Veranstaltungstag.

Warum Sprachverständlichkeit das wichtigste Kriterium für Tagungston ist

Eine Tagung ist kein Konzert. Das Publikum muss jedem Satz folgen können, sonst verliert die Veranstaltung ihren Zweck. Vortrag, Podiumsdiskussion und Fragerunde leben davon, dass Worte ankommen.

Sprachverständlichkeit ist messbar. Sie hängt von Nutzschall, Störgeräuschen und Nachhall ab. Ein lautes System hilft nicht, wenn der Raum den Schall verschmiert.

Für Planer heißt das: Die Anforderung wird zuerst definiert, dann die Technik ausgewählt. Wer erst Lautsprecher mietet und dann über Verständlichkeit nachdenkt, plant rückwärts.

Der Anspruch gilt für jeden Platz im Saal. Reihen unter einer Empore oder hinter Stützen sind die kritischen Zonen, nicht die Mitte.

DIN 15905-5: Anforderungen an die Beschallung in Konferenzzentren

Die DIN 15905-5 regelt die Beschallung von Veranstaltungsstätten. Sie behandelt Pegel, Übertragungsqualität und den Schutz des Gehörs bei Veranstaltungen mit hohen Schallpegeln.

Für Tagungen ist vor allem der Teil relevant, der die Verständlichkeit von Sprache betrifft. Die Norm beschreibt, welche Störgeräusche und Reflexionen hinnehmbar sind und wie Beschallungsanlagen auszulegen sind.

Sie ist Teil eines Normenwerks für Veranstaltungstechnik. Einen Überblick über die zuständigen Ausschüsse gibt die Übersicht beim NHRS.

Normen sind keine Gesetze, aber anerkannte Regeln der Technik. Wer sie ignoriert, trägt im Schadensfall die Beweislast. Wie DIN-Normen entstehen und wirken, erklärt die Seite Normen & Standards.

Für die Praxis zählt die Anwendung. Was eine Norm fordert und wie sie im Betrieb umgesetzt wird, beschreibt die Seite Normen anwenden.

Wichtig für Planer: Die Norm fordert keine bestimmte Marke und kein bestimmtes Fabrikat. Sie beschreibt Ziele, die die Anlage erreichen muss. Was eine DIN-Norm grundsätzlich auszeichnet, fasst die Seite Alles über DIN-Normen zusammen.

Schallpegel, Nachhallzeit und Sprachverständlichkeit richtig bewerten

Drei Größen bestimmen, ob eine Beschallung funktioniert. Der Schallpegel am Ohr, die Nachhallzeit des Raums und das Verhältnis von Nutzschall zu Störschall.

Der Schallpegel wird in Dezibel gemessen. Für Sprache liegt der nutzbare Bereich deutlich unter dem, was bei Konzerten gefahren wird. Zu leise ist ein Fehler, zu laut ebenfalls.

Die Nachhallzeit gibt an, wie lange ein Schall im Raum nachklingt. Hohe Räume mit Glas und Beton sind kritisch. Teppich, Vorhänge und Akustiksegel senken die Nachhallzeit.

Für die Bewertung zählt nicht nur der leere Saal. Mit Publikum ändert sich die Akustik, weil Menschen Schall absorbieren.

Kriterium Bedeutung für die Tagung Typische Maßnahme
Schallpegel Sprache muss auch in hinteren Reihen ankommen Pegel an der schlechtesten Hörposition einstellen
Nachhallzeit Zu langer Nachhall verschmiert Konsonanten Akustiksegel, Vorhänge, Teppich
Störgeräusch Lüftung, Trafo, Küche maskieren Sprache Störquellen messen und trennen
Direktschall Schall direkt vom Sprecher zum Ohr Lautsprecher nah am Publikum
Übertragungskette Jedes Glied senkt die Qualität Funkstrecke, Mischpult, Verstärker prüfen

Wer diese fünf Punkte vor der Buchung klärt, spart am Veranstaltungstag Stunden.

Tontechnik für Tagungen: Mikrofone, Beschallung und Mischpulte

Die Mikrofonierung entscheidet mehr als der Lautsprecher. Ein gutes Mikrofon am richtigen Ort schlägt jede teure Anlage.

Für Redner am Pult haben sich Schwanenhalsmikrofone bewährt. Sie bleiben in Position, brauchen keine Hand und liefern konstantes Signal.

Für Podiumsdiskussionen sind Funkmikrofone üblich, als Handmikrofon oder Ansteckvariante. Ansteckmikrofone sind unauffällig, aber empfindlich gegen Kleidung und Bewegung.

Für Fragen aus dem Saal braucht es eigene Mikrofone an den Gängen oder Saalmikrofone. Ohne sie geht jede Fragerunde schief.

Bei der Beschallung gilt: Lautsprecher so nah wie möglich am Publikum, nicht an der Bühne. Delay-Linien für lange Säle sind Standard, nicht Luxus.

Das Mischpult muss zur Aufgabe passen. Für Sprache genügen wenige Kanäle mit guter Vorverstärkung. Digitale Pulte bieten Presets für wiederkehrende Formate.

Zum Signalweg gehören auch Verkabelung, DI-Boxen und Stromversorgung. Elektrische Betriebsmittel sind nach DGUV Vorschrift 3 zu prüfen, der Arbeitgeber trägt die Verantwortung.

Technische Ausstattung deutscher Konferenzzentren im Überblick

Deutsche Konferenzzentren sind unterschiedlich ausgestattet. Ein einheitlicher Standard existiert nicht, wohl aber typische Grundausstattung.

Große Häuser bieten in der Regel Saaltechnik, feste Lautsprecheranlagen und Verdunkelung. Das gilt für Standorte in Nordrhein-Westfalen und Bayern ebenso wie in Baden-Württemberg und Berlin. Auch Hessen, Hamburg, Niedersachsen und Sachsen folgen diesem Muster. Details stehen im Technikblatt des Hauses.

Häufig vorhanden sind feste Projektionsflächen, Stromverteilungen und eine Grundbeschallung. Mikrofone und Mischpult sind oft nicht inklusive.

Bei Messeplätzen kommt die Infrastruktur der Betreiber hinzu. Deutsche Messe AG in Hannover, Messe München GmbH, Messe Frankfurt GmbH und Koelnmesse GmbH stellen Hallentechnik, aber keine Tagungsakustik im engeren Sinn.

Verbände wie der EVVC und der Deutsche Veranstaltungsdienstleister-Verband vertreten die Betreiberseite. Dort finden Planer Ansprechpartner und Qualitätskriterien.

Wer eine Tagung anmeldet, klärt vorher: Welche Anlage ist fest installiert, welche Technik muss angemietet werden, wer stellt Personal?

Planung und Abnahme der Tontechnik vor der Veranstaltung

Die Abnahme ist der Moment, in dem die Planung überprüft wird. Sie gehört auf die Agenda des Vortags, nicht in die Mittagspause.

So läuft die Abnahme ab:

  1. Raum leer prüfen: Nachhall, Störgeräusche, Lüftung im Dauerbetrieb.
  2. Signalweg testen: jedes Mikrofon einzeln, jede Funkstrecke mit frischen Batterien.
  3. Pegel an der schlechtesten Hörposition einstellen, nicht am Mischpult.
  4. Podium und Fragerunde durchspielen, inklusive Übergabe zwischen Rednern.
  5. Reserve bereithalten: Ersatzmikrofon, Ersatzkabel, Ersatzbatterien.

Für die Dokumentation gehört ein Technikblatt dazu. Es hält Frequenzen, Kanäle und Ansprechpartner fest.

Rechtlich relevant sind Arbeitsschutzgesetz und DGUV Vorgaben. Bei gewerblicher Nutzung kommen umsatzsteuerliche Fragen nach UStG und Umsatzsteuer-Anwendungserlass hinzu, etwa bei Anmietung aus dem Ausland.

Statistische Grundlagen zu Messen und Tagungen liefert das Statistische Bundesamt. Für die eigene Kalkulation hilft das als Orientierung, nicht als Prognose.

Typische Fehler bei der Beschallung von Tagungen vermeiden

Der häufigste Fehler ist zu laute Beschallung. Sie ermüdet das Publikum und senkt die Verständlichkeit, statt sie zu erhöhen.

Der zweite Fehler ist die falsche Mikrofonposition. Ein Mikrofon zu weit vom Mund nimmt den Raum auf, nicht den Sprecher.

Der dritte Fehler ist fehlende Redundanz. Ein ausgefallenes Funkmikrofon ohne Ersatz kostet die Fragerunde.

Der vierte Fehler ist die Missachtung der Raumakustik. Wer in einem halligen Saal nur lauter dreht, verstärkt den Hall mit.

Der fünfte Fehler ist die Abnahme am Veranstaltungstag. Dann fehlt die Zeit, um Nachhall oder Störgeräusche zu beheben.

Prüfliste für die Planung:

  • Anforderung an Sprachverständlichkeit schriftlich definiert
  • Nachhallzeit und Störgeräusche im Raum geprüft
  • Mikrofonierung für Pult, Podium und Saalfragen festgelegt
  • Ersatzmikrofon und Ersatzbatterien eingeplant
  • Elektrische Betriebsmittel nach DGUV Vorschrift 3 geprüft
  • Technikblatt mit Kanälen und Ansprechpartnern erstellt
  • Abnahmetermin am Vortag eingeplant

Häufige Fragen

Was fordert DIN 15905-5 konkret für Tagungen? Die Norm beschreibt Anforderungen an Pegel und Übertragungsqualität bei Veranstaltungen. Für Tagungen zählt vor allem, dass Sprache verständlich bleibt und das Gehör geschützt wird.

Reicht die Technik des Konferenzzentrums aus? Oft ja für die Grundbeschallung, selten für die Mikrofonierung. Klären Sie vor der Buchung, welche Anlage fest installiert ist und welche Technik Sie anmieten müssen.

Wie viele Mikrofone braucht eine Podiumsdiskussion? Ein Mikrofon pro sprechender Person plus Reserve. Für Fragen aus dem Saal kommen Saal- oder Handmikrofone hinzu.

Ist eine Messung der Sprachverständlichkeit Pflicht? Eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht. Eine Messung vor Ort ist aber die zuverlässigste Grundlage für die Einstellung der Anlage.

Wer haftet bei einem technischen Ausfall? Das hängt vom Vertrag ab. Bei gewerblicher Nutzung trägt der Betreiber der elektrischen Anlagen Verantwortung nach DGUV Vorschrift 3.

Wann sollte die Tontechnik aufgebaut sein? Am Vortag. Dann bleibt Zeit für Abnahme, Pegelanpassung und Reaktion auf unerwartete Störgeräusche.

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