Veranstaltungsplanung

Veranstaltungstechnik Angebote einordnen: Formate und Leistungsumfang prüfen

Veranstaltungstechnik Angebote einordnen: Prüfraster für Ton, Licht, Bühne und Video, Leistungsumfang, Nachweise und typische Tagespreise netto in Euro.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ordnen Sie jede Position im Angebot einer geplanten Nutzung zu: Sprache, Präsentation, Abendprogramm oder Übertragung.
  • Prüfen Sie Ton, Licht, Bühne mit Traverse sowie Bild und Video getrennt, weil Sammelpositionen Lücken verdecken.
  • Klären Sie je Gewerk, ob Personal, Aufbau, Betreuung und Abbau im Preis enthalten sind.
  • Verlangen Sie zu Bühne und Traverse Montageanweisung, Prüfprotokoll und Übergabeprotokoll.
  • Rechnen Sie Tagesspannen netto und addieren Sie 19 Prozent Umsatzsteuer, damit Angebote vergleichbar werden.

Von der Nutzung zum Gewerk: der Prüfrahmen

Ein Technikangebot wirkt selten unvollständig. Es listet Lautsprecher, Scheinwerfer, Traversen und Projektoren, nennt eine Summe und einen Liefertermin. Ob das Paket die geplante Veranstaltung trägt, zeigt erst der Abgleich mit dem Ablaufplan.

Drehen Sie deshalb die Prüfrichtung um. Nicht das Angebot gibt die Struktur vor, sondern Ihr Programm. Notieren Sie je Programmpunkt, was technisch passieren muss. Sprache braucht Verständlichkeit im ganzen Raum. Eine Präsentation braucht sichtbare Bilder und eine verlässliche Zuspielung. Ein Abendprogramm braucht Lichtstimmung und Musikwiedergabe.

Wie Ablauf, Budget und Zuständigkeiten zusammenhängen, beschreibt die IHK Köln in ihren Grundlagen zu Ablauf, Budget und Verantwortlichkeiten bei Geschäftsveranstaltungen. Diese Zuordnung ist die Grundlage der Angebotsprüfung, weil sie zeigt, welche Leistung überhaupt nötig ist.

Vier Gewerke bilden den Prüfrahmen:

  1. Ton für Sprache, Moderation, Einspieler und Musik.
  2. Licht für Sichtbarkeit, Präsentation und Abendstimmung.
  3. Bühne und Traverse für Aufbau, Zugang und Arbeitsmittel.
  4. Bild und Video für Anzeige im Raum, Bildmischung und Ausgabe nach außen.

Jede Position im Angebot braucht einen Bezug zu mindestens einem Programmpunkt. Positionen ohne Bezug sind entweder Reserve oder überflüssig. Das klären Sie schriftlich mit dem Anbieter, bevor Sie vergleichen.

Sicherheits- und Organisationsfragen gehören zum Auftrag, nicht als Zubehör dazu. Die DGUV stellt Vorschriften, Regeln und Informationen der DGUV zur Prävention bereit, die beim Aufbau und Betrieb greifen. Sie gehören in die Planung, bevor die erste Position vergeben wird.

Ton und Licht: Leistungsumfang je Programmpunkt prüfen

Eine Tagung lebt von verständlicher Sprache, ein Abendprogramm von Atmosphäre. Wer beides in eine Tonposition packt, kann den Leistungsumfang nicht mehr prüfen. Fragen Sie für den Sprachteil getrennt nach Mikrofonie, Zuspielung und Verteilung im Raum. Fragen Sie für den Abendteil getrennt nach Musikwiedergabe, Bühnenmonitoring und Zuspielung externer Quellen.

Prüfen Sie danach die Mengenangaben. Ein Angebot ohne Stückzahlen lässt offen, wie viele Lautsprecher, Funkstrecken oder Scheinwerfer tatsächlich gestellt werden. Verlangen Sie zu jeder Position Stückzahl, Leistungsklasse und Einsatzzweck.

Achten Sie auf die Trennung von Planung, Aufbau, Betreuung und Abbau. Viele Angebote nennen nur Geräte. Dann bleibt offen, wer einrichtet, wer während der Veranstaltung eingreift und wer abbaut. Diese vier Posten gehören als eigene Zeilen ins Angebot.

Bei Licht prüfen Sie Szenen statt Geräte. Fragen Sie, welche Szenen eingeplant sind, wer sie während der Veranstaltung fährt und ob Steuerung sowie Bedienpult im Preis liegen. Eine Stückliste ohne Szenenbezug sagt nichts über die Wirkung im Raum.

Eine Beispielrechnung mit gesetzten Annahmen: Der Ablaufplan sieht drei Beschallungszonen vor, je Zone zwei Lautsprecher, also sechs Lautsprecher. Das Angebot nennt pauschal vier Lautsprecher ohne Zonenzuordnung. Bei diesem Planungsstand fehlen zwei Positionen, wenn alle drei Zonen beschallt werden sollen.

Ob vier Lautsprecher ausreichen, hängt von Raumgröße, Hörfläche und benötigtem Pegel ab. Die Rechnung ist ein Prüfbeispiel und keine Bewertung eines realen Angebots.

Notieren Sie zu jeder Tonposition drei Dinge: die genannte Leistung, den Bezug zur Nutzung und die offene Rückfrage. Rückfragen sammeln Sie, bis das Angebot vollständig ist.

Typische Tagespreise für Ton- und Bühnentechnik in Deutschland

Preise für Veranstaltungstechnik entstehen aus Leistung, Zeit und Personal. Reine Mietwerte sagen wenig, weil Aufbau, Betreuung und Transport den Aufwand bestimmen. Die folgenden Spannen sind marktübliche Orientierungswerte für Deutschland, keine Angebotspreise und keine Zusagen. Alle Werte gelten netto, zzgl. 19 Prozent Umsatzsteuer.

Leistung Typische Tagesspanne netto Üblicherweise enthalten
Beschallung für Sprache bis etwa 100 Personen 350 bis 700 Euro Mischpult, Funkmikrofone, Lautsprecher, Techniker stundenweise
Beschallung für 100 bis 300 Personen mit Betreuung 900 bis 2.000 Euro Mehrere Zonen, Funkstrecken, Techniker über die Veranstaltungsdauer
Konzertbeschallung mit Monitoring 2.000 bis 6.000 Euro Bühnenmonitoring, Mischpultplatz, Tontechniker
Technikerstunde vor Ort 45 bis 90 Euro Zuschläge für Nachtstunden und Wochenenden üblich
Modulare Podestbühne 25 bis 60 Euro je Quadratmeter Aufbau und Transport häufig separat
Alutraverse als Mietmaterial 8 bis 20 Euro je laufendem Meter Anschlagmittel und Statik zusätzlich
Bühnenbau mit Personal 800 bis 2.500 Euro pro Tag Aufbau, Abbau und Einweisung vor Ort

Die Spannen schwanken nach Region, Termin und Vorlaufzeit. Nachtarbeit, Wochenenden und kurzfristige Buchungen erhöhen den Tagessatz. Manche Anbieter rechnen pauschal je Veranstaltung ab, andere nach Stunden.

Vergleichen Sie nur Angebote mit gleichem Leistungsumfang. Ein Tagessatz ohne Personal, Aufbau und Transport ist nicht günstiger, sondern kleiner. Rechnen Sie die Umsatzsteuer mit: Aus 900 Euro netto werden 1.071 Euro brutto, aus 2.000 Euro netto werden 2.380 Euro brutto.

Bühnentechnik lässt sich über Flächen und Längen kalkulieren. Eine Podestbühne mit 40 Quadratmetern ergibt bei 25 bis 60 Euro je Quadratmeter und Tag rechnerisch 1.000 bis 2.400 Euro netto je Tag, ohne Personal und Transport. Dieser Rahmen ist ein Rechenbeispiel auf Basis der genannten Spanne.

Bühne, Traverse und Aufbau: Nachweise im Angebot verankern

Bei Bühne und Traverse geht es nicht nur um Fläche und Optik, sondern um Aufbau, Zugang und die Arbeitsmittel, die dabei eingesetzt werden. Diese Punkte lassen sich im Angebot als Nachweise verankern.

Die DGUV stellt ihre Präventionsthemen in einem Verzeichnis der Präventionsthemen von A bis Z zusammen. Verlangen Sie zu jedem Aufbau die Unterlagen, die den sicheren Zustand belegen, statt sich auf Zusicherungen im Angebotstext zu verlassen.

Für Bühne und Traverse gehören diese Punkte ins Angebot oder in eine Anlage:

  • Montageanweisung mit sicherheitstechnischen Angaben.
  • Prüfprotokoll nach dem Aufbau.
  • Übergabeprotokoll für fremde Nutzende.
  • Zuständige befähigte Person für Prüfung und Freigabe.
  • Angabe zur zulässigen Belastung.

Für Gerüste und fahrbare Arbeitsbühnen gilt: Sie werden vor Benutzung im sicheren Zustand von einer befähigten Person geprüft. Bei fremden Nutzenden entsteht ein Übergabeprotokoll. Eine befähigte Person der nutzenden Firma kontrolliert zusätzlich auf augenfällige Mängel.

Klären Sie im Angebot, wer die Bühne stellt, wer sie prüft und wo der Nachweis liegt. Ebenso wichtig ist die Angabe, wer die zulässige Belastung festlegt und wer sie am Veranstaltungstag kontrolliert.

Eine Traversenbemessung mit konkreten Lastannahmen lässt sich nicht aus einem allgemeinen Angebot ableiten. Solche Werte stehen in Herstellerunterlagen und in der Planung des Anbieters. Verlangen Sie die Unterlagen, statt Zahlen aus dem Angebotstext zu übernehmen.

Bühnenaufbau braucht Zeit. Prüfen Sie, ob Auf- und Abbau innerhalb der Hallenzeiten des Veranstaltungsorts liegen und ob Zuschläge für Nachtstunden anfallen. Diese Zeiten gehören in die Kalkulation und in den Vertrag.

Bild, Video und Streaming getrennt kalkulieren

Bild ist häufig die schwächste Stelle im Angebot. Anzeige im Raum, Bildmischung und Ausgabe nach außen landen in einer Position. Dann bleibt offen, was tatsächlich geliefert wird.

Trennen Sie drei Aufgaben:

  1. Anzeige im Raum, also Projektion oder Bildfläche für das Publikum vor Ort.
  2. Bildmischung, also Auswahl und Wechsel der Bildquellen.
  3. Ausgabe nach außen, also Streaming oder Aufzeichnung.

Für jede Aufgabe brauchen Sie eine eigene Position und eine eigene Rückfrage. Fragen Sie bei der Anzeige nach Fläche, Aufstellort und Zuspielung. Fragen Sie bei der Bildmischung nach Quellen, Bedienung und Übergängen. Fragen Sie bei Streaming oder Aufzeichnung nach Ausgabeformat und nach der Verantwortung für die Ausgabe.

Ein Streaming- oder Aufzeichnungsangebot berührt personenbezogene Daten. Klären Sie getrennt, welche Rechtsgrundlage und welche Einwilligungen für Aufzeichnungen gelten. Das ist kein Technikthema und gehört nicht in die Geräteliste.

Bei Videoangeboten reicht eine Sammelposition selten aus. Bitten Sie um getrennte Zeilen für Anzeige, Mischung und Ausgabe. Erst dann lassen sich zwei Angebote Zeile für Zeile vergleichen.

Software für Anmeldung und Teilnehmerverwaltung gehört nicht in ein Technikangebot. Wenn Sie sie getrennt beschaffen, vergleichen Sie die Preise und Funktionen für Veranstalter bei Eventbrite mit den flexiblen Lizenzmodellen und Preisen von evenito.

Prüftabelle und Ablauf für die Vergabe

Die folgende Tabelle bringt die Gewerke in eine einheitliche Prüfung. Füllen Sie sie je Angebot aus. Jede Zeile endet mit einer Rückfrage oder einem Nachweiserfordernis.

Gewerk Typische Position im Angebot Nachweis oder Prüfpunkt Rückfrage an den Anbieter
Ton Mikrofonie und Wiedergabe Bezug zur Nutzung, Kanalzahl, Betreuung Wer bedient die Anlage während der Sprachblöcke?
Licht Sichtbarkeit und Abendstimmung Szenenliste, Steuerung, Betreuung Welche Szenen sind eingeplant, wer fährt sie?
Bühne und Traverse Aufbau, Zugang, Fläche Montageanweisung, Prüfprotokoll, Übergabeprotokoll Wer prüft vor der Freigabe, wo liegt der Nachweis?
Bild und Video Anzeige, Mischung, Ausgabe Getrennte Positionen, Zuspielung Welche der drei Aufgaben deckt die Position ab?

Prüfen Sie vor der Vergabe zusätzlich die Bedingungen. Vor der Annahme eines Angebots sind Änderungen möglich. Nach der Annahme kommt ein Vertrag zustande, Änderungen danach nur im Einvernehmen beider Seiten.

Kontrollieren Sie Zahlungsbedingungen, Zuschläge und Gültigkeitsdauer. Klären Sie, ob Ersatzgeräte, Ansprechpartner vor Ort und Rüstzeiten im Preis enthalten sind. Offene Punkte gehören schriftlich ins Angebot, nicht in die mündliche Absprache am Aufbautag.

Führen Sie die Prüfung in dieser Reihenfolge durch:

  1. Nutzungen auflisten und jeder Position zuordnen.
  2. Gewerke einzeln prüfen und Nachweise anfordern.
  3. Offene Rückfragen schriftlich stellen.
  4. Antworten in die Prüftabelle eintragen.
  5. Erst danach die Vergabeentscheidung vorbereiten.

So entsteht aus dem Angebot eine prüfbare Grundlage für die Entscheidung. Sie ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall.

Häufige Fragen

Welche Unterlagen sollte ein Bühnenangebot enthalten?

Verlangen Sie eine Montageanweisung mit sicherheitstechnischen Angaben, ein Prüfprotokoll nach dem Aufbau und bei fremden Nutzenden ein Übergabeprotokoll. Dazu gehören die Angabe der zulässigen Belastung und die Person, die prüft und freigibt. Konkrete Lastannahmen stehen in Herstellerunterlagen, nicht im allgemeinen Angebotstext.

Wie vergleiche ich zwei Tonangebote?

Prüfen Sie zuerst, ob beide Angebote denselben Leistungsumfang abdecken: Anzahl der Lautsprecher und Zonen, Anzahl der Funkstrecken, Personal während der Veranstaltung, Auf- und Abbau. Erst danach vergleichen Sie die Summe. Ein niedrigerer Tagessatz mit kleinerem Umfang ist kein günstigeres Angebot.

Warum gehören Streaming und Aufzeichnung in eigene Positionen?

Weil Anzeige im Raum, Bildmischung und Ausgabe nach außen unterschiedliche Leistungen und unterschiedliche Verantwortlichkeiten sind. In einer Sammelposition bleibt offen, welche Aufgabe abgedeckt ist und wer die Ausgabe verantwortet. Getrennte Zeilen machen Angebote vergleichbar und zeigen Lücken.

Sind die genannten Tagesspannen verbindlich?

Nein. Es sind marktübliche Orientierungswerte netto für Deutschland, die je nach Region, Termin, Vorlaufzeit und Aufwand abweichen. Verbindlich ist allein das Angebot Ihres Anbieters. Rechnen Sie die 19 Prozent Umsatzsteuer hinzu, um Bruttopreise für das Budget zu erhalten.

Wie gehe ich mit Positionen um, die ich nicht einordnen kann?

Notieren Sie sie mit einer Rückfrage und lassen Sie sie bis zur Antwort offen. Positionen ohne Bezug zum Programm sind entweder Reserve oder überflüssig. Klären Sie das schriftlich, bevor Sie das Angebot annehmen.

In diesem Leitfaden

  1. Videotechnik Veranstaltung: drei Aufgaben vor der Angebotsanfrage trennenVideotechnik Veranstaltung: Bildaufnahme, Bildmischung und Projektion trennen, Tagessätze in Euro und Normen kennen, bevor die Angebotsanfrage rausgeht.
  2. Tontechnik für Tagungen: Übersicht über Beschallung und MikrofonierungTontechnik für Tagungen: Beschallung mit Line-Array und Säulen, Mikrofonierung, typische Mietpreise netto pro Tag sowie die relevanten Normen im Überblick.
  3. Veranstaltungstechnik mieten oder kaufen: Kostenvergleich für UnternehmenVeranstaltungstechnik mieten oder kaufen: Beispielrechnungen für Ton- und Lichttechnik zeigen Break-even, Abschreibung und laufende Kosten im Vergleich.

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